Herrschaft Schleiden II

Johannes Sleidanus
Der berühmte Geschichtsschreiber Johannes Sleidanus (1506-1556) und der bedeutende Pädagoge Johannes Sturmius (1507-1589) waren aus Schleiden stammende Anhänger der neuen Lehre.
 
Am 19.2.1542 predigte der Straßburger Reformator Martin Bucer in der Schlosskirche. Offiziell trat die Pfarre Schleiden allerdings erst 1561, nach dem Augsburger Religionsfrieden, unter Dietrich VI. zum neuen Glauben über. Auch als dieser 1593 kinderlos starb, blieb die evangelische Gemeinde Schleiden weiter bestehen. Philipp von der Marck, ein katholischer Erbe, musste nach wenigen Monaten Schleiden wieder räumen, weil der Kaiser und Spanien-Luxemburg Erbrechte der protestantischen Witwe Dietrichs VI. anerkannten. Burg und Vorburg (mitsamt der Schlosskirche) musste diese dafür den Spaniern als Garnison überlassen. Die Stadt (Jülicher Lehen) und Burg und Vorburg (spanische Garnison) waren damals durch Tor und Mauern voneinander getrennt. Protestantisches Gotteshaus war jetzt die Hospitalkirche in der Stadt.

Steinhäuser waren damals selten, das Bild der Stadt bestimmten dicht aneinander gebaute, strohgedeckte Fachwerkhäuser. In ihrer Mitte brach am 15.Juli 1603 nachts ein Feuer aus, dem ganz Schleiden unterhalb der Vorburg zum Opfer fiel ("in 3 stunden 92 wolerbawete wohnungen und über 30 scheuren und stallungen verbrandt"). Dank großzügiger Spenden konnte Schleiden rasch wieder aufgebaut werden. Zwei Häuser aus dem Jahre 1605 erinnern noch daran. Die Straßburger stifteten 1604 für die Hospitalkirche eine Glocke. Sie hängt heute in der Schlosskirche. Der Katastrophe von 1603 folgte 1610 eine zweite, als Schleiden durch den Söldnerführer Ernst von Mansfeld in den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit hineingezogen wurde. In einer Januarnacht 1610 drang er in die ummauerte Stadt ein und plünderte sie. Fünf Tage später wurde die inzwischen "verbollwerkte" Stadt von Friedrich von Solms, Gouverneur von Düren, nach blutigem Ringen befreit (und erneut geplündert).

1613 bei der Einigung der Manderscheider Erben wurde Schleiden dem Grafen Philipp von der Marck zugesprochen, der aber kurz darauf starb. Sein Sohn Ernst (1613-1654) leitete 1619 in Schleiden die Gegenreformation ein. Die Schlosskirche wurde "wieder mit Altären versehen" und evangelischer Gottesdienst verboten. Ihn durften Lutheraner und Reformierte nur im "ausländischen" Gemünd aufsuchen. Das private Bekenntnis wurde geduldet. Noch 1705 waren in der Stadt ein Drittel und in der ganzen Schleidener Pfarrgemeinde, zu der auch Bronsfeld, Harperscheid, Schöneseiffen und ein Großteil des südlichen Schleidener Tals gehörten, mehr als die Hälfte der Bevölkerung protestantisch. Zur Remissionierung gründete Graf Ernst 1642 ein Franziskanerkloster strenger Observanz, dessen Kirche in der Folgezeit ein viel besuchter Wallfahrtsmittelpunkt wurde. Im 17. Jahrhundert gelang es Luxemburg in zunehmendem Maße, aus der bloßen Lehnshoheit über Schleiden eine Landeshoheit zu entwickeln. Ludwig XIV. annektierte dann 1682 im Rahmen seiner Reunionspolitik auch das Schleidener Land.

Eine Volkszählung ergab 1688, dass die Stadt (ohne Klosterangehörige) nur 360 Einwohner hatte und vor allem von der Tuchherstellung lebte. 11 Bewohner waren Hüttenmeister. In den folgenden Kämpfen wurde die Schleidener Burg 1689 und 1702 von den Franzosen zerstört, das zweite Mal "bis auf die Grundmauern". Eine wehrhafte Burg mit hoher Schildmauer und mächtigen Türmen sank damals in Trümmer. Beim späteren Wiederaufbau entstand ein unbefestigtes Schloss mit freier Zufahrt im Norden. Hoffnungen, nach einer Niederlage Ludwigs XIV. die luxemburgische Landeshoheit mit kaiserlicher Hilfe abschütteln zu können und wieder reichsunmittelbar zu werden, musste Schleiden 1714 begraben, weil jetzt Österreichs Erwerbung der südlichen Niederlande (einschließlich Luxemburgs) den Kaiser selbst zum Landesherrn in Schleiden machte. Als dann im Zuge der Aufklärung erst der letzte Graf v.d.Marck und dann der Herzog von Arenberg, dessen Haus 1773 die Herrschaft in Schleiden übernommen hatte, den Protestanten wieder einen Kirchbau gestatten wollte, ließ die Landesherrin Kaiserin Maria Theresia dies nicht zu. Erst Kaiser Joseph II. erlaubte ihn im Jahre 1786. Nur wenig später, 1794, besetzten französische Truppen das ganze linke Rheinufer. Das Amt Wollseifen, seit alters "Überruhr" genannt und erst seit 1487 zu Schleiden gehörig, wurde begrenzt durch die Erkensruhr, die Rur, die Urft und die alte Römerstraße, die mitten durch Dreiborn führte. Nur beim "Grafenborn" (nahe Katzenbroich) bestand eine schmale Verbindung zur übrigen Herrschaft ("der kleine Platz"), sonst war es von Jülicher Gebiet umgeben. Der Name "Überruhr" (= "jenseits der Ruhr/Rur") erinnert an eine frühere Zugehörigkeit zu Limburg, von Schleiden aus gesehen hätte man "diesseits" sagen müssen. Das Rodungsland Walberhof ("Walebure") in Überruhr schenkte König Konrad III. 1145 dem Kloster Steinfeld (älteste Urkunde des Stadtgebiets).

Mit dem Patronat über die Schlosskirche und allen Steinfeld noch verbliebenen Rechten links der Olef überließ das Kloster 1539 auch den Walberhof und seine uralte Kapelle dem Schleidener Grafen. Da das Land Überruhr zur Pfarre Olef in der Unterherrschaft Dreiborn gehörte, blieb es auch in der evangelischen Periode Schleidens katholisch. Graf Ernst von der Marck hat 1633/35 in Wollseifen die Kirche St.Rochus erbauen lassen, 1660 wurde sie unter dem Patronat der Schleidener Grafen selbständige Pfarrkirche. Der um seine Anerkennung kämpfende "nicht ebenbürtige" Graf Franz Anton v.d.Marck verkaufte 1670 das ganze Amt Wollseifen an die Unterherrschaft Dreiborn, 1712 wurde der Handel jedoch rückgängig gemacht.


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