Von der französischen Zeit bis Heute

Fritz von Wille, Schleiden mit Schloss im Winter 1903
Als luxemburgisches Gebiet wurde die Grafschaft Schleiden schon im Oktober 1795 dem französischen Staat einverleibt und seiner revolutionären Gesetzgebung unterworfen. Als Kanton Schleiden mit den Mairien Schleiden, Kall, Hellenthal und Wollseifen wurde sie Teil des Ourthe-Departements (Sitz in Lüttich).
 

Das Franziskanerkloster wurde aufgehoben und verkauft, die Franziskanerkirche blieb erhalten. Gemünd kam erst 1798 (endgültig 1801) an Frankreich. Es bildete mit 13 Mairien (darunter Dreiborn) einen weiträumigen Kanton Gemünd im Roer-Departement (Sitz in Aachen). Gemünds unsinnige Teilung wurde beendet und das katholische Rektorat 1803 zur Pfarre erhoben. Der Anschluss an den französischen Wirtschaftsraum und die Kontinentalsperre förderten die Industrie.Das eigentliche Gemünd hatte 1806 bereits 680 Einwohner und damit Alt-Schleiden, das innerhalb seiner Mauern nicht sehr viel mehr als 500 Bürger aufnehmen konnte, überrundet.

Mit Malsbenden, Mauel, Wolfgarten und Düttling als Mairie vereinigt, kam Gemünd auf 1063 Bewohner. Im preußischen Rheinland wurden aus den Mairien Bürgermeistereien, aus dem Kanton Gemünd der Kreis Gemünd, dieser aber um die Bürgermeistereien Schleiden, Wollseifen und Kall und seit 1818 um den damals wieder aufgehobenen Kreis Blankenheim erweitert.

Da 1816 die Abtretung von Schleiden an Mecklenburg-Strelitz vorgesehen war, blieb das Schicksal Schleidens ungewiss - bis sich Strelitz 1819 mit einer finanziellen Abfindung begnügte. 1829 wurde dann der Sitz des Kreises nach Schleiden verlegt und dieser nun Kreis Schleiden genannt. Preußen behandelte zunächst nur Gemünd als Stadt, erkannte dann aber 1843, endgültig in der Städteordnung von 1856, auch Schleiden als Stadt an.

Nach zeitweilig fast völligem Erliegen blühte die Gemünder Industrie bald stärker auf als je zuvor.

Röhrenwerk Poensgen in Mauel um 1856Reinhard Poensgen (1792-1848) betrieb auf dem Büllenbenden zwei Walzwerke und die "englische" Drahtfabrik Mariahütte mit bis zu 200 Arbeitern. Albert Poensgen (1818-80) stellte nach 1845 in Mauel in drei Werken Gasrohre, Siederohre für Lokomotiven und (mit seinem Bruder Julius) Bleirohre sowie Draht und Nägel her. Wegen seiner geschweißten Rohre gilt er als " Begründer der deutschen Röhrenindustrie, der lange Zeit in Deutschland konkurrenzlos blieb". Als die Steinkohle die Holzkohle verdrängte und ein Bahnanschluss nicht rechtzeitig zustande kam, besiegelte das den Niedergang der Eisenindustrie im gesamten Schleidener Tal.

In Gemünd verlegten die Poensgen 1860, und das daraufhin gegründete erste deutsche Bessemerstahlwerk 1864, notgedrungen ihre Produktion nach Düsseldorf, gefolgt von vielen Arbeitern mit ihren Familien. Statt 1673 Bürgern im Jahr 1856 hatte Gemünd 1867 nur noch 1400 Einwohner. Schwer getroffen hatte Gemünd bereits 1851 ein Brand, dem 38 Häuser zum Opfer fielen. Trotz dieser Katastrophen konnte 1857-1862 die Kapelle St.Nikolaus durch einen großen neugotischen Kirchenbau ersetzt werden (Turm erst 1888/89) und die jüdische Gemeinde 1874 eine Synagoge erhalten (1938 zerstört).

Zwar siedelten sich in den alten Werkhallen einige andere Industrien an, Lebensgrundlage wurde aber nach Bahnanschluss (1884), Gründung des Eifelvereins (1888) und dem Bau der Urfttalsperre (1901-1905) zunehmend der Fremdenverkehr, eine Entwicklung, die 1970/1978 in der Anerkennung Gemünds als Kneipp-Kurort einen Höhepunkt erreichte.

Schleiden entwickelte sich zur Verwaltungs- und Schulstadt mit heute zwei Gymnasien, Realschule und "Schulzentrum" (Grundschule, Hauptschule, Sonderschule). 1913/14 entstand auf dem Ruppenberg als repräsentatives Gegenstück zum Schloss auf der gegenüberliegenden Olefseite das Amts- und Wohngebäude für den Landrat (heute Behördenhaus). Im Zweiten Weltkrieg wurden in Schleiden und Gemünd viele Bauten unwiederbringlich zerstört. Ein besonders hartes Schicksal erlitt Wollseifen. Die eindrucksvolle Talsperrenlandschaft zwischen Wollseifen und dem Kermeter hatte die Nationalsozialisten auf die Idee gebracht, dort ihre "Ordensburg Vogelsang" zu errichten, was wiederum die Einrichtung eines englischen, 1950 Belgien unterstellten Truppenübungsplatzes zur Folge hatte.

Blick auf die Urfttalsperre um 1905Wollseifen musste dafür von der Bevölkerung am 01.09.1946 geräumt werden. Mit der kommunalen Neugliederung des Jahres 1972 hörte Schleiden auf, Kreisstadt zu sein, wurde aber als Stadt um die bisherigen Verwaltungseinheiten Gemünd, Dreiborn (ohne Einruhr) und Harperscheid vergrößert, wobei der hinzugewonnene "Truppenübungsplatz Vogelsang" der Verfügungsgewalt der Stadt entzogen blieb.

Seit dem 1. Januar 2006 ist Vogelsang wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Während der Truppenübungsplatz als Teil des Nationalparks Eifel der Natur übergeben wurde, wird der bebaute Bereich Vogelsang zukünftig der Information, der Erholung und dem vielfältigen Lernen dienen und zu einem internationalen Treffpunkt werden.

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