Wildschweinschäden auf privaten Grundstücken mit Experten thematisiert


Besonders die Grundstückseigentümer der beiden Wohngebiete „Malsbenden“ und „Salzberg“ sind derzeit von Wildschweinschäden in Gärten, Beeten oder auf Rasenflächen betroffen. Neben den entstandenen Schäden ist besonders ärgerlich, dass in Wohngebieten nicht gejagt werden darf und somit keine Ersatzpflicht durch Jagdgenossenschaften oder Jagdpächter besteht.

Die Stadt Schleiden hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, Möglichkeiten zu finden, Schäden zumindest zu reduzieren und es nicht nur bei der Selbsthilfe der Bürgerinnen und Bürger zu belassen.

Aus diesem Grunde lud Bürgermeister Ingo Pfennings als fachkundige Ansprechpartner Herrn Dr. Eberhard Toporowski (Vorsitzender des Gemeinschaftlichen Jagdbezirks Gemünd-Malsbenden), Herrn Walter Schell (Jagdpächter), Herrn Helmut Kirch (Wildschadenschätzer) und Herrn Markus Wunsch (Landesforstverwaltung NRW / Forstbetriebsbezirk Gemünd) zu einer gemeinsamen Besprechung ein, um mögliche Lösungen zu diskutieren.

„Derzeit bleibt den Betroffenen leider nur, sich selbst vor den Tieren zu schützen, z.B. standhafte (Elektro-) Zäune zu errichten, auf Komposthaufen im Garten zu verzichten oder die Tiere mit unangenehmen Geschmack (sog. Wildrepell) bzw. Gerüchen (z.B. Auslegen von „WC-Steinen“) zu vertreiben. Auch im Boden eingelassene Baustahlmatten, die Wildschweine nicht überschreiten, oder akustische Signale (sog. Wildschweinschreck) sowie Bewegungsmelder (Licht) können helfen“, so Ingo Pfennings.

Das Problem der großen Anzahl von Wildschweinen liegt nicht an einer mangelnden Bejagung, die Abschusszahlen sind sogar um ein Vielfaches höher als in den vergangenen Jahren. Vielmehr stieg die Wildschweinpopulation durch großes Nahrungsangebot in der Landwirtschaft, die vergleichsweise milden Winter, Gartenabfälle und häufigere Baummasten in Wäldern stetig an. Der hohe Stickstoffgehalt in der Luft, der sich wie Dünger auf den Baumwuchs auswirkt, sorgt zudem mit dem Klimawandel dafür, dass Bäume besser wachsen und mehr Samen und Früchte ausbilden. Eine ideale Nahrungsgrundlage für die Wildschweine, die dann gut gesättigt sind, schneller wachsen und früher geschlechtsreif werden.

Der mächtigste natürliche Gegenspieler ist das Wetter. Speziell bei niedrigen Temperaturen im Frühjahr kommt es regelmäßig zu Populationsrückgängen. Zuletzt konnte das nach dem eisigen Frühjahr 2012 beobachtet werden.

Zusätzlich zu den Waldfrüchten benötigen die Tiere Eiweiß, vor allem in Form von Larven, Käfern und Engerlingen. Auf der Suche danach zieht es die Wildschweine aus dem Wald hinaus in die Wiesen und Gärten. Zudem führen Waldschäden, wie z. B. der Borkenkäferbefall, zur Abholzung von Waldflächen, dies wiederum fördert die Bildung von Dickicht (niedriges Gehölz), in dem sich Wildschweine besonders wohl fühlen; die Bejagung im Dickicht ist aber nahezu unmöglich. Maßnahmen wie z.B. gezielte Ablenkfütterungen, Vertreibungs-Aktionen oder Lebendfallen sind entweder verboten oder letztlich wirkungslos.

Außerdem haben die Wildschweine teilweise die Scheu vor dem Menschen verloren und fühlen sich mittlerweile auch sehr nah an den urbanen Zonen, beispielsweise in dem Waldstreifen zwischen „Salzberg“, „Urftseestraße“ und am „Am Pättchen“, wie zu Hause. Aufgrund der nahen Bebauung ist gerade in diesen Zonen ist eine Bejagung kaum möglich und selbst ein Vertreiben nur schwer zu praktizieren.

Die Beteiligten waren sich einig, dass alle im Rahmen des geltenden Rechts denkbaren Maßnahmen angewandt werden müssen, das Problem jedoch nicht nur auf kommunaler Ebene zu lösen sei. Eine wirkungsvolle Alternative zur Reduzierung von Wildschweinen stellt beispielsweise der Fang von ganzen Familienverbänden dar. Er wird bislang in einigen wenigen Landkreisen in Bayern angewandt und hat sich dort bewährt. In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang noch keine genehmigten Fanganlagen.

Bürgermeister Pfennings kündigte an: „Ich sehe es als erforderlich an, auch auf der Ebene des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums nach Lösungen zu suchen und werde daher entsprechende Kontakte herstellen. Eine zufriedenstellende Lösung werden wir nur in der Zusammenarbeit aus Jagdausübungsberechtigten und -genossenschaften, Landwirtschaft, Forstverwaltung und der Bevölkerung erzielen können.“

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