Ausweisung des „Wolfsgebietes Eifel-Hohes Venn“


Aus dem Hohen Venn in Belgien liegen seit Mitte 2018 mehrere Nachweise eines Wolfes vor. Dabei handelt es sich vor allem um Bildmaterial aus Fotofallen und von Tierfotografen. Auf nordrhein-westfälischer Seite der Landesgrenze zu Belgien hat es in den Monaten April und Mai 2019 weitere Nachweise eines Wolfes im Bereich der Gemeinde Monschau gegeben. Anhand genetischer Analysen konnte in einem Fall ein männlicher Wolf mit der Kennung GW926m individualisiert werden. Aufgrund genetischer Ähnlichkeiten zu anderen Befunden und dem Gesamtbild der vorliegenden Nachweise geht das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (LANUV) davon aus, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt, das in diesem Bereich mittlerweile standorttreu geworden ist.

Vor diesem Hintergrund weist das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) in dem betreffenden Landschaftsraum auf der Grundlage der „Richtlinien über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen zur Minderung oder Vermeidung von durch den Wolf verursach- ten wirtschaftlichen Belastungen“ („Förderrichtlinien Wolf“) mit Wirkung zum 28.06.2019 das „Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn“ aus. Zusätzlich wird im Umfeld des Wolfsgebietes eine „Pufferzone um das Wolfsgebiet“ ausgewiesen (siehe Karte). Die Abgrenzungen hat das zuständige LANUV auf der Grundlage fachlicher Kriterien vorgenommen. Ein Wolfsgebiet wird bei einer festen Ansiedlung von Wölfen ausgewiesen, das heißt wenn ein Wolf über die Dauer von bis zu einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden kann.

Abgrenzung des Wolfsgebietes Eifel-Hohes Venn mit umliegender Pufferzone

Das „Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn“ mit umliegender Pufferzone umfasst den grenznahen Bereich der nordrhein-westfälischen Eifel mit seinen ausgedehnten Wäldern und angrenzenden Kulturlandschaften. Nach Westen hin schließt sich das Wolfsgebiet an die bestätigten Vorkommen des Wolfes im Hohen Venn auf belgischer Seite an.

Die Abgrenzung des "Wolfsgebietes Eifel-Hohes Venn" umfasst auf einer Fläche von 505 km² folgende Städte bzw. Gemeinden:

  • Städteregion Aachen: Stadt Monschau, Gemeinden Roetgen und Simmerath
  • Kreis Euskirchen: Stadt Schleiden, Gemeinde Hellenthal.

Die umliegende „Pufferzone um das Wolfsgebiet“ umfasst auf einer Fläche von etwa 1.261 km² die umliegenden Städte und Gemeinden:

  • Städteregion Aachen: Städte Aachen, Eschweiler und Stolberg
  • Kreis Düren: Städte Düren, Heimbach und Nideggen, Gemeinden Hürtgenwald, Kreuzau und Langerwehe
  • Kreis Euskirchen: Stadt Mechernich, Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Kall und Nettersheim.

Die Ausweisung eines Wolfsgebietes sowie der umliegenden Pufferzone ist insbesondere für die Nutztierhaltung von großer Bedeutung, da das Land Nordrhein-Westfalen in diesen Bereichen vorbeugende Maßnahmen zum Herdenschutz fördert.

Billigkeitsleistungen gemäß „Förderrichtlinien Wolf"

In Ergänzung zu dem Wolfsmanagementplan hat das MULNV im Februar 2017 die „Richtlinien über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen zur Minderung oder Vermeidung von durch den Wolf verursachten wirtschaftlichen Belastungen“ („Förderrichtlinien Wolf“, RdErl. v. 03.02.2017, MBl. NRW. S. 85) veröffentlicht. Die Förderrichtlinien Wolf wurden zwischenzeitlich mit Runderlass vom 06.03.2019 (MBl. NRW. S. 122) geändert.

Mit den Förderrichtlinien führt das Land Nordrhein-Westfalen die bereits seit Anfang 2010 gängige Praxis fort, die vom Wolf verursachten Tierrisse finanziell auszugleichen. Billigkeitsleistungen (Höhe 100%) werden unter anderem für Tierverluste, für die Kosten für den Tierarzt, für Medikamente und die Tierkörperbeseitigung gewährt. Das Land Nordrhein-Westfalen gleicht darüber hinaus die Schäden an Schutzvorrichtungen sowie die finanziellen Schäden durch Fehlgeburten finanziell aus, die durch Wölfe ausgelöst wurden.

Zusätzlich können Betriebe mit Tierhaltungen von Schafen und Ziegen sowie von Gehegewild in einem Wolfsgebiet sowie im Bereich der um- liegenden Pufferzone auch Fördermittel für vorbeugende Herdenschutzmaßnahmen (Höhe 100%) beantragen. Gefördert werden der Erwerb von Elektrozäunen sowie die wolfssichere Optimierung bestehender Zäune. Darüber hinaus kann in Wolfsgebieten auch die Anschaffung und Ausbildung von geeigneten Herdenschutzhunden finanziell unterstützt werden.

Anträge auf Billigkeitsleistungen der durch einen Wolf verursachten Schäden sowie Anträge auf Förderung von Herdenschutzmaßnahmen können bei der zuständigen Bezirksregierung Köln (dort bei dem für die Naturschutzförderung zuständigen Dezernat 51) gestellt werden.

Wolfsportal NRW

Um die Bevölkerung und die Behörden in Nordrhein-Westfalen möglichst zeitnah, umfassend und transparent über die Rückkehr des Wolfes zu informieren, hat das LANUV das Fachinformationssystem „Wolf in Nordrhein-Westfalen“ (kurz: „Wolfsportal NRW“) entwickelt, das im Internet unter www.wolf.nrw.de aufgerufen werden kann. Darin finden sich aktuelle Meldungen sowie umfangreiche Fachinformationen zum Thema Wolf. Bestätigte Wolfsnachweise werden in einer geodatenbasierten Karte dokumentiert, die interaktiv abgerufen und nach bestimmten Kriterien gefiltert werden kann. Nutztier-Risse, die dem LANUV gemeldet wurden, werden zeitnah als nachweislich belegte Fälle oder als Falschmeldungen tabellarisch aufgelistet. Über das Wolfsportal können auch Sichtungen eines Wolfes gemeldet oder die Kontaktdaten der regionalen Wolfsberater aufgerufen werden. Nutzierhalterinnen und -halter erfahren, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können, wenn sie ihre Herden durch den Wolf konkret bedroht sehen oder Schäden melden wollen, die vermutlich durch einen Wolf verursacht wurden. Im Wolfsportal können auch die Kontaktdaten der Bewilligungsbehörden eingesehen werden sowie die für Billigkeitsleistungen und Prävention erforderlichen Antragsunterlagen heruntergeladen werden. Speziell zum „Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn“ wurde im Wolfsportal ein Button eingerichtet, über den alle relevanten Informationen zum Wolfsgebiet aufgerufen werden können.

Begleitende AG „Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn“ und Bürgerversammlungen

Im Interesse einer transparenten Kommunikation und Aufklärung in der vom Wolf betroffenen Region ist eine fortlaufende Information und Koordination der mit dem Thema beschäftigten Akteure vor Ort zielführend.

In diesem Sinne sollte durch die Bezirksregierung Köln kurzfristig eine „AG Wolfsgebiet Eifel-Hohes Venn“ eingerichtet werden. Im Rahmen der AG sollten die von der Pufferzone betroffenen Kommunen sowie die hinsichtlich des Themas Wolf relevanten Institutionen und Verbände einbezogen werden. Die erste AG-Sitzung sollte nach Möglichkeit bis Mitte September 2019 stattfinden und in der Folge je nach Bedarf in regelmäßigen Abständen fortgeführt werden.

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