Mehr als nur Feuerwehr


Schon unter den „normalen“ Corona-Bedingungen war der Jugendgruppenleiterlehrgang der Kreisjugendfeuerwehr etwas anders als sonst. Anstatt ein ganzes Wochenende in Vogelsang zu verbringen, fand beim Oktobertermin zunächst freitags ein Online-Lehrgang statt, die Übernachtung von Samstag auf Sonntag fiel ebenfalls weg. Auch die erlebnispädagogischen Übungen wurden gestrichen. „Das Gemeinschaftsgefühl, das wir sonst haben, fehlt so natürlich ein wenig“, sagt Kathrin Hörnchen, stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin.

Der neuen Corona-Verordnung mit dem „Lockdown Light“ im November kam der Vorstand des Kreisfeuerwehrverbands, dem auch die Kreisjugendfeuerwehr angehört, als umsichtiges Gremium zuvor, indem bis auf weiteres alle Präsenzveranstaltungen abgesagt wurden. Davon betroffen war eben auch das Novemberwochenende zum Abschluss des Jugendgruppenleiterlehrgangs.

Doch die Jugendfeuerwehr im Kreis Euskirchen um Kreisjugendfeuerwehrwartin Kerstin Brandhoff ist bestens aufgestellt – und geht vorbildlich mit der Situation um. Denn Hauptthema des Lehrgangs 2020 war die „Jugendfeuerwehr auf Distanz“. Ein Schwerpunkt waren digitale Tools, die die Jugendfeuerwehren nutzen können, um trotz Pandemiebeschränkungen Veranstaltungen, etwa per Videokonferenz, stattfinden zu lassen. Eine entsprechende Plattform bietet der Kreisfeuerwehrverband an. Die Nachwuchsfeuerwehrkräfte können aber auch über interaktive Spiele, etwa durch ein Feuerwehrquiz, weiter ausgebildet werden. „Das ist vorerst das »neue Normal«“, meint Kathrin Hörnchen. Wie die Tools funktionieren, wird in Erklär-Videos dokumentiert.

Bei der Präsenzveranstaltung im Oktober in der Rotkreuz-Akademie in Vogelsang zeigte sich einmal mehr, dass die Kreisjugendfeuerwehr deutlich mehr ist, als ihr Name vermuten lässt. Mit mehr als 700 aktiven Mitgliedern im gesamten Kreisgebiet ist sie ein wichtiger Multiplikator für Netzwerkarbeit im Kreis Euskirchen. Deshalb wird den Jugendwarten durch Vorträge, etwa zu den Themen Drogen- und Suchtprävention, Gewaltprävention, sexuelle Gewalt, Konfliktmanagement sowie Abbau von Vorurteilen, etwa gegenüber der LSBTIQ-Community, wichtiges Hintergrundwissen sowie rechtliche Grundlagen vermittelt, aber auch aufgezeigt, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen.

Die Kreisjugendfeuerwehr arbeitet hier eng mit Partnern, beispielsweise der Kriminalpolizei oder dem Verein Frauen helfen Frauen, zusammen. Zurückgegriffen werden kann immer auf externe Experten oder einen Dozentenpool. Wichtig ist auch, dass die Jugendwarte zumindest die Sprache der Jugend verstehen. „Das alles soll zeigen: Die Kreisjugendfeuerwehr ist für euch da!“, sagt Kathrin Hörnchen.

Und auch sonst ist die Kreisjugendfeuerwehr eben mehr als nur Feuerwehr. „Wir vermitteln bei einem Jugendgruppenleiterlehrgang nicht nur reine Feuerwehrgrundlagen“, sagte Kathrin Hörnchen. Die Ausbildung findet nach JuLeiCa-Kriterien statt (die Abkürzung steht für Jugendgruppenleiter-Card). Diese sieht vor, dass Menschen, die eine pädagogische, aber keine Feuerwehrausbildung besitzen, nur den ersten Termin, der im September stattfand, besuchen, weil dort Feuerwehrgrundlagen vermittelt werden. „Dadurch hatten wir an diesem Tag zusätzlich zu den 20 Teilnehmern des Lehrgangs noch sechs bis sieben weitere Personen, die mitmachten“, so Hörnchen.

Der November-Termin wurde nun in ein Online-Seminar umgewandelt, was dieses Jahr im Rahmen der JuLeiCa-Richtlinie zulässig ist. Es wird einen Vortrag von „Frauen helfen Frauen“ geben, es geht um Themen wie Gruppendynamik, etwa am Beispiel Corona, und die Nutzung von sozialen Medien im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Anforderungen an angehende Jugendfeuerwehrwarte werden erörtert.

pp/Agentur ProfiPress

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