„Denk-Mal“ geschaffen


Angenehme Kühle herrscht im Transit, dem Jugend-, Natur- und Umweltbildungshaus des Rotkreuz-Kreisverbandes Euskirchen in Vogelsang, während draußen die Sonne brennt. „Ich finde das gar nicht heiß, sondern angenehm“, sagt die italienische Rotkreuzlerin Federica Romaniello und schmunzelt über die Hitzehysterie ihrer deutschen Freunde. Sie ist eine von 22 Teilnehmern aus sieben Nationen, die für das „International Peace Camp“ nach Vogelsang gekommen sind.

Vierzehn Tage verbringen die jungen Leute im Peace Camp („Friedenslager“). Dort wird die Hälfte der Zeit Bauprojekten gewidmet, die andere Hälfte mit Ausflügen verbracht. „Dabei hätte Corona uns fast aus der Bahn geworfen“, erzählt Rolf Zimmermann, Spiritus Rector der Rotkreuz-Aktivitäten in Vogelsang.

Denn die Besucher aus Asien, Afrika und Südamerika, die normalerweise als Gäste mit dabei sind, konnten in diesem Jahr die Reise nach Deutschland nicht antreten. „Irland hat komplett abgesagt, als die Nachricht vom Lockdown in Gütersloh verbreitet wurde“, so Zimmermann.

Peace Camp fand zum achten Mal statt
„Wir waren kurz davor, abzusagen“, berichtet Rolf Zimmermann. Erst drei Wochen vor Beginn des Camps entschloss sich das Organisationsteam, die Veranstaltung durchzuführen. Zwei Anmeldungen aus Spanien habe es zu diesem Zeitpunkt erst gegeben. „Wir haben die Kollegen vom italienischen Roten Kreuz angefragt, die uns dann drei junge Leute geschickt haben“, so Zimmermann. Auch aus Uganda und Zimbabwe sind Rotkreuzler gekommen. So konnte das achte internationale Peace Camp doch stattfinden.

Aufregung gab es in letzter Minute um die Anreise der türkischen Teilnehmerin: Sie hatte alle erforderlichen Papiere, Visum, Corona-Test – doch die Fluggesellschaft weigerte sich, sie in das Flugzeug zu lassen, mit dem Argument, sie würde in Deutschland zurückgeschickt werden. „Wir haben dann eine Bescheinigung der Bundespolizei in Köln/Bonn organisiert, dass sie dort einreisen dürfte“, erzählt Rolf Zimmermann.

Quasi als Begrüßungscocktail absolvierte die ganze Gruppe in Mechernich im Rotkreuz-Testzentrum einen Coronatest und begab sich dann erst einmal im Transit 59 in Quarantäne, bis die negativen Testergebnisse vorlagen. Zum Einstand nach Aufhebung der selbst auferlegten Quarantäne gab es eine Geländeführung in Vogelsang von dem ehemaligen belgischen Soldaten Jean-Marie Malaise. Ihre Reise führte die Besucher auch ins Haus der Geschichte in Bonn.

„Nur Malmedy klappte nicht“, so Zimmermann. Weil just an dem Tag in Belgien die Corona-Bestimmungen verschärft wurden und auch noch eine Baustelle den Weg blockierte, wurde kurzerhand umdisponiert und stattdessen die Frittenbude in Sourbrodt angesteuert.

Neben den Ausflügen gehören schon seit den Anfängen die Bauprojekte zum Peace Camp dazu. „Das DRK in Vogelsang wäre nicht, was es ist, wenn es das Peace Camp nicht gäbe“, verweist Zimmermann auf die vielen Hinterlassenschaften der Veranstaltung, von den Aufräumarbeiten in Kameradschaftshäusern bis zur Terrasse am Transit.


Im Rahmen des „International Peace Camp“ des Roten Kreuzes wurde auch das Rotkreuz-Fluchthaus in Vogelsang umgebaut. An dem Bauprojekt beteiligten sich auch die Teilnehmer Angelina Ulrich, Noah Hüsken und Jonah Kutsche (von links).

„Denk-Mal“ aus Baumstämmen
Alljährlich wird das Fluchthaus in Vogelsang umgebaut und mit neuen Herausforderungen für die Spieler versehen. Dort können Besucher Fluchtszenarien in Rollenspielen erleben und später über ihre Eindrücke diskutieren.

Diskussionsstoff gab auch die verheerende Explosion in Beirut. Die Gruppe habe sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie solche Katastrophen bewältigt werden könnten. „Es kamen auch Fragen von Teilnehmern, was sie tun müssten, um demnächst bei solchen Geschehnissen im Ausland eingesetzt zu werden“, berichtet Rolf Zimmermann, der über viel Erfahrung mit derartigen Einsätzen verfügt.

Als sichtbares Zeichen bauten die Teilnehmer des Peace Camps in diesem Jahr aus Baumstämmen ein auffälliges Mahnmal, das „DRK-Grundsätze Denk-Mal“, so laut Zimmermann die offizielle Bezeichnung. Dabei war der eigentliche Ansatz von Zimmermann ein Überbleibsel aus seinen Pfadfindertagen: Als Gemeinschaftsprojekt wollte man einen Turm bauen. Doch beim Bau ergab es sich, dass die Zahl der Baumstämme, die das Fundament bildeten, der Anzahl der Grundsätze des Roten Kreuzes entsprachen. Die sieben Baumstämme wurden kurzerhand mit Schildern versehen, die auf die Grundsätze verweisen: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.

pp/Agentur ProfiPress

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