Schülerwettbewerb unter erschwerten Bedingungen


Überrascht waren die Juroren über die Qualität der Aufsätze, die beim Schülerwettbewerb des Geschichtsforums Schleiden eingereicht wurden. Dabei hatten die jungen Teilnehmer in diesem Jahr eine ungewöhnliche Hürde zu meistern: Corona. Am Dienstag, 25. August, konnte Bürgermeister Ingo Pfennings im Kleinen Kursaal in Gemünd gleich zwei Siegergruppen auszeichnen, vier Beiträge erreichten einen zweiten Platz und wieder zwei einen dritten.

Nach dem Erfolg in vergangenen Jahr beschloss der Vorstand des Vereins, auch in diesem Jahr wieder einen Schülerwettbewerb auszuloben. So soll auch die Jugend in die Arbeit des Geschichtsforums eingebunden werden. Schülerarbeiten werden bereits seit einigen Jahren in den Jahresheften des Vereins veröffentlicht. Dies wird auch in diesem Jahr wieder so sein.

Thema war „Leben und Alltag in den Nachkriegsjahren im Stadtgebiet Schleiden und der nahen Heimat“. Corona hat diesmal den Wettbewerb 2020 stark beeinflusst“, erklärte Siegfried Scholzen, der Geschäftsführer des Geschichtsforums: „Schulschließungen, Ausfall des Präsenzunterrichts, Verbot von Gruppenarbeit verbunden mit der Einarbeitung in bisher unbekannte Online-Unterrichtsformen waren eine große Herausforderung für Kinder und Lehrer.“ Darüber hinaus sei der geforderte Abstand zu möglichen Informationsgebern wie Großeltern und anderen Zeitzeugen ein weiteres Handicap gewesen. Siegfried Scholzen: „All das führte unter anderem dazu, dass von ursprünglich 14 gemeldeten Wettbewerbsarbeiten sechs Anmeldungen zurückzogen wurden.“

Fünf Juroren bewerteten die Arbeiten unabhängig voneinander: Stadtarchivarin Nicole Gutmann, Jennifer Seemann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Klaus Stüber, Alfred Käßbach und Bernd Kehren vom Geschichtsforum. Sie konnten Punkte von 1 bis 10 vergeben, wobei 10 die beste Wertung war. Die Ergebnisse wurden anschließend von Geschäftsführer Scholzen durch fünf geteilt. Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: Die besten Teilnehmer erreichten 9, die zweitbesten 8 und die drittbesten 7 Punkte, so dass alle Teilnehmer sich platzieren konnten.

Ingo Pfennings und Siegfried Scholzen überreichten den Gewinnern eine Medaille, eine Urkunde und eine „kleine Wundertüte“. Die beinhaltete für die beiden Ersten je 150, die vier Zweiten je 100 und die zwei Dritten je 50 Euro. Scholzen hatte für alle Teilnehmer ein Heft mit den Wettbewerbsarbeiten zusammengestellt. Außerdem sind sie mit Freundin oder Freund zu einer Führung im LVR-Freilichtmuseum in Kommern eingeladen. Pfennings dankte dem Geschichtsforum für die Etablierung des „Formats Schülerwettbewerb“. Der nächste ist laut Scholzen schon in Planung.

Am besten bewertet wurden mit neun Punkten diese zwei Arbeiten:

Schwimmbad Gemünd "Mer jon en et Schwemmbad, wo soll mer och hinjon?"
Julian Franken
(17), Klasse 11, Johannes-Sturmius-Gymnsium Schleiden

Julian beschäftigt sich mit der Bedeutung des Freibads für die Gemünder Jugend der Nachkriegszeit und führt durch das Lied der Bläck Fööss zum Thema hin. In seiner sehr detaillierten, leicht verständlichen und im Aufbau abgerundeten Darstellung schlägt er einen schönen Bogen über die Kinder von damals zu denjenigen, die sich heute für den Erhalt und Betrieb des Schwimmbades ehrenamtlich engagieren.

Von Milchmädchenrechnungen und Pfennigfuchsern
Leon Ronig
(13), Klasse 8, Städtische Realschule Schleiden und Niklas Toporowsky (15), Klasse 10, Clara-Fey-Gymnasium Schleiden

Leon und Niklas erzählen aus der Ich-Perspektive von ihrem Opa und liefern mit den Schilderungen von Alltag, Schule und Kirmes einen interessanten Einblick in die damalige Zeit. Hier wurde eine sehr originelle Idee wunderbar umgesetzt. Ein sehr gelungener Beitrag, der auch das Thema des Wettbewerbs wie den Nagel auf den Kopf trifft.

Zweitplatziert wurden mit acht Punkten diese vier Beiträge:

Ostgeflüchtete im Kreis Schleiden nach dem Zweiten Weltkrieg - Eine gelungene Integration?
Nils Meister
(17), Klasse 11, Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden

Ausgehend von den Fluchtursachen noch vor Kriegsende und der Vertreibung nach dem Krieg geht Nils näher ein auf die Problematik der Integration und deren Bedeutung und Notwendigkeit. Auch im damaligen Kreis Schleiden könne die Integration nicht immer als gelungen bezeichnet werden.

Kindheit in der Nachkriegszeit
Leonie-Marie Klein
(12), Klasse 7, Städtische Realschule Schleiden

Eine detaillierte Beschreibung der Erlebnisse eines Kindes Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre. Beginnend mit Episoden aus der Schulzeit wird ausführlich eingegangen auf die gemeinsame Spielgestaltung der Kinder in den Nachmittagsstunden. Nicht unerwähnt bleiben die Pflichten außerhalb des Schulunterrichts, aber auch Anmerkungen zu den ärmlichen Lebensverhältnissen in damaliger Zeit.

Die Eifeler Landwirtschaft in der Nachkriegszeit
Chiara Klein
(14), Klasse 9, Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld

Chiara hat sich ein gerade für unseren ländlichen Bereich interessantes Thema ausgesucht. Der Text liest sich sehr schön, Begriffe werden erklärt und die zahlreichen Bilder sind gut ausgewählt. Die Schülerin hat mit dem Bericht ein kleines Zeitdokument geschaffen.

Die Kindheit in der Nachkriegszeit
Sophia Metzele
(16) und Mailin Bannert (16), Klasse 10, Hermann-Josef-Kolleg-Steinfeld

Nach einer Einleitung, die Lust auf den folgenden Text macht, schildern Sophia und Mailin hintereinander Erinnerungen dreier Kinder der 50er und 60er Jahre und stellen die drei ganz persönlichen Geschichten auf diese Art gegenüber. Dabei schaffen sie es gut, die sich unterscheidenden Erinnerungen so zu straffen, dass es erstens nicht langweilig wird und zweitens Parallelen und Unterschiede deutlich werden.

Den dritten Platz belegten mit sieben Punkten zwei Aufsätze:

Schule in der Nachkriegszeit
Nicolas
(12) und Patrick Gutersohn (14), Klassen 6b und 8a, Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden

Ausgehend von der prekären Situation im Schulbereich nach dem Krieg infolge fehlender Lehrkräfte und mangelnder Lehr- und Lernmittel wird der Unterrichtsablauf einer einklassigen Volksschule geschildert. Ferner wird eingegangen auf die strengen Erziehungsmethoden und die dürftigen Lebensverhältnisse zu Hause mit einer Nachbetrachtung der pädagogischen Methoden von früher und heute.

Das Leben der 50er/60er Jahre
Julia Hölz
(13) und Lisa Marie Puscinski (13), Klasse 8, Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden

Eine treffende Schilderung der Wohn- und Lebensverhältnisse der 50er/60er Jahre in der Eifel und der damals noch üblichen Rollenverteilung von Mann und Frau. Im Vergleich hierzu wird auf die schon etwas modernere und aufgeschlossene Lebensweise in der Stadt verwiesen. Lobeswert die eigenen Skizzen.

Download

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.