Wagners Siegfried als modernen Gamer interpretiert


Wettbewerbsbeitrag zum 7. Comicwettbewerb der Kinder Oper Köln (https://www.oper.koeln/de/COMICWETTBEWERB)
Wettbewerbsbeitrag zum 7. Comicwettbewerb der Kinder Oper Köln (https://www.oper.koeln/de/COMICWETTBEWERB)


Hlynur Limbeck hat einen sensationellen zweiten Platz beim 7. Comicwettbewerb der Kinderoper Köln erzielt.

Sein Comic zu Richard Wagners Oper „Götterdämmerung“ interpretiert die Handlung sehr zeitgenössisch.

Anlässlich diese Erfolges wollte ich wissen, wie ein 12-Jähriger auf die Idee kommt, ausgerechnet eine Wagner-Oper zu zeichnen und habe mich per BBB-Video zum Interview mit Hlynur zu Hause in Dollendorf verabredet.

Download

Und hier geht's zum "Making Of"

https://www.mindpacifique.de/goetterdaemmerung-fuer-kinder/.

Interview

JSG Schleiden: Hlynur, aus über 40 Einsendungen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen im Alter von 12 bis 20 Jahren hast du den zweiten Platz erreicht. Das ist ein großartiger Erfolg und du warst auch mit unter den jüngsten Gewinnern. Wann hast du davon erfahren und wie fühlt sich das an?
Hlynur Limbeck: Das war schon cool. Wir haben an meinem 12. Geburtstag abends beim Fernsehen gesessen, als das Telefon klingelte und die Wettbewerbsleitung mir verkündet hat, dass ich den zweiten Platz beim Wettbewerb gemacht hätte. Da habe ich mich sehr gefreut! Und dann noch ausgerechnet an meinem Geburtstag die Nachricht zu bekommen, das machte es noch ganz besonders.

JSG Schleiden: Habt ihr als Familie eine besondere Nähe zur Oper oder zu diesem Sagenstoff? Immerhin hast du ja einen isländischen Vornamen, das ist ja eher ungewöhnlich.
Hlynur Limbeck: Nein eigentlich nicht, ich kannte die Sage vorher nicht so, wir haben sie dann später bei der Entwicklung der Handlung als Hörspiel gehört, aber sonst eher nicht. Meine Kunstlehrerin Frau Hass hatte mich auf die Idee gebracht, indem sie uns von dem Wettbewerb erzählt hat, als wir noch Präsenzunterricht hatten. Und dann habe ich mich angemeldet und angefangen.

JSG Schleiden: Wenn man sich alle Comics so anguckt, dann ist dein Comic ganz besonders, weil du die Siegfried Sage zeitgenössisch interpretierst. Die Figuren sind aus der Sage, aber die Handlung hast du stark verändert. So ist der Drachentöter Siegfried ein Gamer, der dem Drachen mit der Konsole zu Leibe rückt, bewaffnet mit Controller anstelle des Schwertes, der Ring der Nibelungen ist dabei ein USB-Stick. Wie kamst du auf diese Ideen?
Hlynur Limbeck: Ich hatte mir überlegt, nicht einfach die Oper zu bebildern, das macht ja jeder, sondern sie in die Jetztzeit zu übertragen. Und ein heutiger Wettbewerb, wie in der Oper der Wettkampf, das passiert heute bei Gamer-Turnieren und so besiegt Siegfried den Drachen auf dem Bildschirm. Aber das ist ja erst die Vorgeschichte: Später kommt es zum richtigen Turnier, dann kommt der Trank ins Spiel. Gunther und Siegfried trinken Brüderschaft und da habe ich eben Energy-Drinks genommen, wie die auch bei langen Nächten des online-gamings getrunken werden. Dabei trinkt Siegfried den FORGET Energy Drink, vergisst so Brünhilde und verliebt sich augenblicklich in Gutrune. So geht die Katastrophe dann los.

JSG Schleiden: Die heutigen Gamer brauchen auch keine Tarnkappe für den Betrug, sondern hier gibt der 3-D-Drucker die entsprechende Visage aus, tolle Idee! Überhaupt ist deine Comic-Opern Welt sehr durch die online Welt geprägt, das würde man ja bei Wagner nicht erwarten.
Hlynur Limbeck: Ich habe es eben in unsere heutige Welt übertragen. So sind die Nornen, die Siegfried überwachen, nicht real hinter ihm her, sondern sitzen im Kontrollraum und verfolgen da mit Überwachungskameras, was Siegfried so macht. Und am Schluss, wenn das Internet zusammenbricht, dann bricht auch die Welt auseinander, wie man sich ja auch kein Leben mehr ohne Internet vorstellen kann.

JSG Schleiden: Apropos Nornen und Kontrollraum – habe ich da nicht unsere Schule entdeckt?
Hlynur Limbeck: Ja ich habe ein paar „Easter Eggs“ in die Handlung eingebaut!

JSG Schleiden: Was war am schwierigsten bei der Erstellung des Comics?
Hlynur Limbeck: Ich denke, die Charaktere zu entwickeln, die müssen sehr klar voneinander zu unterscheiden sein und auch bei den verschiedenen Gesichtsausdrücken trotzdem immer noch die charakteristische Person sein.

JSG Schleiden: Genau: Der finstere Hagen, der immer in schwarz gekleidet ist und dagegen der lebenslustige Siegfried, blond und etwas pausbäckig. Hast du Vorbilder oder einen bestimmten Stil?
Hlynur Limbeck: Ja ein bisschen habe ich mich an den Comics von „Clever & Smart“ orientiert.

JSG Schleiden: Deine Kunstlehrerin Frau Hass sagte, dass du ganz selbstständig gearbeitet hast, und wegen der Pandemie konntest du ja auch kaum Rücksprache nehmen. Wie waren denn deine Arbeitsschritte?
Hlynur Limbeck: Mit den Wettbewerbsbedingungen kam auch eine Zusammenfassung der Handlung der Oper. Die habe ich dann zusammen mit meiner Mutter in 16 Handlungsabschnitte eingeteilt und mir zu jedem Abschnitt ein oder zwei Bilder ausgedacht. Man sollte ein Din A 4 Blatt in drei Querstreifen einteilen und durfte diese dann auf verschiedene Art unterteilen, so dass am Schluss aber nicht mehr als 16 solcher Streifen herauskamen, ich habe 16 entworfen. Dann habe ich jedes Bild mit einem weichen Bleistift vorgezeichnet, korrigiert und dann mit härterem Bleistift und Fineliner nachgezogen. Danach wurden die Zeichnungen mit Aquarellbuntstiften ausgemalt – fast einen Kasten habe ich dafür gebraucht. Und am Schluss kam dann die Schrift in die Kästen oben drüber und in die Sprechblasen, dafür habe ich vorher Platz gelassen, die Schrift habe ich auch per Hand gemacht, nicht am Computer, das passte besser.

JSG Schleiden: Und wie lange hast du an dem ganzen Comic gearbeitet?
Hlynur Limbeck: Insgesamt so circa zwei bis drei Monate, alles in allem, aber ich habe jeden Tag daran gearbeitet, so 1 ½ Stunden pro Tag, manchmal auch länger. Ich habe mir als Ziel gesetzt, jeden Tag so ungefähr einen Streifen auszumalen – d.h. zwei bis drei Bilder und drei Bilder vorzuzeichnen.

JSG Schleiden: Das ist ganz schön viel Arbeit. Wie hast du dich denn motiviert?
Hlynur Limbeck Ja, das ist ein bisschen das Schwierigste daran, immer weiterzumachen, aber dann habe ich mir gesagt: „Komm, das schaffst du, du willst ja an dem Wettbewerb teilnehmen“. Oft haben mich aber auch meine Eltern motiviert. Und mit meinem kleinen Bruder Sindri, der ist 10 und kommt dieses Jahr auch aufs JSG, konnte ich über die Geschichte sprechen und wir haben uns zusammen manche Details ausgedacht.

JSG Schleiden: Das meiste ist ja in der Zeit des online-Unterrichtes entstanden. Hat dies dein Projekt eher befördert oder behindert? Und wann zeichnest du am liebsten?
Hlynur Limbeck: Also ich sehe da keinen Unterschied, ich zeichne sowieso am liebsten am Nachmittag und frühen Abend, da war es egal, dass ich morgens nicht so lange in der Schule war. Aber einen Vorteil gab es: Durch den Online-Unterricht musste ich nicht mehr eine Stunde mit dem Schulbus bis nach Dollendorf fahren, da hatte ich mehr Zeit auch fürs Zeichnen.

JSG Schleiden:  Bekommst du nun einen Pokal?
Hlynur Limbeck: Nein, aber auf der Homepage der Oper Köln kann man sich nun die meisten Comics ansehen. (https://www.oper.koeln/de/COMICWETTBEWERB). Eigentlich wurde der Gewinner Comic als Programmheft zur Premiere abgedruckt und die anderen dann als Plakat. Normalerweise gäbe es eine Ausstellung im Museum für angewandte Kunst in Köln, aber bis jetzt war das dann nur online zu betrachten. Ich hätte die Premiere der Kinderoper live geguckt, jetzt gibt es sie als Stream, den haben wir dann mit meiner Familie geguckt. (Anm. d. Red.: Noch bis zum 4. Juli ist dieser Stream zu sehen: www.oper.koeln/de/Streaming)

JSG Schleiden: Und, hat die die Aufführung gefallen? War sie auch so modern interpretiert wie deine Comic-Adaptation oder eher traditionell?

Hlynur Limbeck: Das war eine ganz „nomale“ Aufführung, wo die Sänger in historischen Kostümen aufgetreten sind. Ich fand es ganz gut, manchmal etwas langweilig, wenn die Arien zu lange dauern.

JSG Schleiden: Mit so einem Erfolg im Hintergrund hast du bestimmt schon weitere Projekte, oder?
Hlynur Limbeck Ja vielleicht, ich habe schon einmal eine Kurz-Comic-Ideen Sammlung mit meinem Freund entworfen, da geht es um zwei Bauarbeiter, die auch als Geheimdienstler arbeiten und Fälle lösen. Und ich habe am Cover-Wettbewerb für unseren Schuljahresplaner teilgenommen, mal sehen, was dabei herauskommt.

JSG Schleiden: Dann wünschen wir viel Erfolg und weiter so viel Spaß beim Zeichnen!
Hlynur Limbeck: Danke sehr!

Das Interview führte Heike Schumacher, JSG Schleiden.

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Keine Ergebnisse gefunden.