Dauerausstellung zum Luftkrieg in der NS-Zeit geplant


Der stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende, Bernd Kehren und der Geschäftsführer der Bürgerstiftung Schleiden, Marcel Wolter, ließen es sich nicht nehmen und überreichten dem Vorsitzenden der AG Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V., Frank Güth, einen Förderscheck der Bürgerstiftung Schleiden über 1.200 Euro. Sie nutzten dabei die Gelegenheit, sich einen Einblick über die Ausstellungsräume zu verschaffen, in denen bereits zwei Exponate für die künftige Ausstellung lagern. Die Ausstellung soll 2022 konzeptioniert und 2023 realisiert werden.

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Die Ausstellung mit multiperspektiver Dokumentation des Luftkriegs in der NS-Zeit soll ein zentraler Ort für die regionale Luftkriegsgeschichte werden: hier soll lokale Geschichte wachgehalten, gesammelt, dokumentiert und vermittelt werden. Dabei sieht sich die Ausstellung dem Auftrag verpflichtet, Geschichte im Kontext zu den lokalen Luftkriegsereignissen zu betrachten, darzustellen, weiter zu recherchieren und zu erfassen. Mit seinen Sammlungen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsangeboten soll das Dokumentationszentrum zukünftig dazu beitragen, eine kritische Erinnerungskultur zu stärken und zu vermitteln.

Zentraler Ansatzpunkt ist eine Konzentration auf die konkreten Luftkriegsereignisse in der Region Nordeifel: der regional- und lokalhistorische Ansatz vermittelt einen deutlich verorteten Bezug zu den historischen Ereignissen und stellt eine Beziehung zum hier und jetzt der Alltagserfahrung der Besuchenden her.

Aus diesem zentralen Thema ergeben sich Einzelbereiche wie Zerstörung, Betroffene, Kriegsverbrechen, Luftschutz, Luftoperationen, Propaganda, Evakuierung und anderes.

Tragflächenfragment eines amerikanischen, 2-motorigen B-26 Bombers. Fundstück in der Nordeifel.

Der Luftkrieg ist letztendlich der Krieg, der in das Land seiner Verursacher zurückkehrte. Die zunehmenden Zerstörungen waren gleichzeitig für das NS-Regime die größte innenpolitische Gefahr, da damit die latente Auflehnung der Bevölkerung verbunden war. Von daher lassen sich hieran auch die perfide Propaganda, die Instrumentalisierung von „Gemeinschaften“ und z.B. die Aushöhlung des Rechts unter dem Deckmantel des Luftkrieges („Volksschädlingsverordnung“) nachweisen.

Durch die Darstellung von persönlichen Schicksalen von Betroffenen aus verschiedenen Ländern (z.B. durch Flugzeugabstürze) sollen die Informationen den Besucher auf einer verbindlichen menschlichen Ebene erreichen und anschaulich vermittelt werden.

Die Ausstellung stellt einen Bezug der aufgearbeiteten geschichtlichen Zusammenhänge und Ereignisse im Kontext (Vogelsang als NS-Täterort) zum aktuellen Ort (Internationaler Platz Vogelsang IP) her. Besondere Aktualität bzw. ein besonderer Bezug besteht dadurch, dass in der Flüchtlingsunterkunft „Schelde“, also in direkter Nachbarschaft zur geplanten Ausstellung,  Menschen leben, die in der heutigen Zeit vor dem Luftkrieg in ihrem Land geflohen sind.

In einem Radius von mehr als 100 Kilometern gibt es kein vergleichbares Museum oder eine vergleichbare Ausstellung. Das Interesse erlebbarer, greifbarer Geschichte im Kontext zum Nationalsozialismus mit all seinen Auswirkungen, ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Ausstellung, für Vogelsang IP und die Region.

Eine solche Ausstellung ist in Deutschland einzigartig. Eine Verbindung zum Ausstellungsort Vogelsang ergibt sich allein, unter anderem durch den an das Areal angrenzenden ehemaligen Flugplatz Walberhof, von dem aus 1940 der Angriffskrieg von Deutschland auf die westlichen Nachbarländer mit begonnen wurde. Hier ist ebenfalls geplant, die unmittelbare Darstellung aus Sicht der Nachbarn mit in dieser Ausstellung zu intrigieren.

Die Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V.

Die Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte engagiert sich seit vielen Jahrzehnten ehrenamtlich im Bereich der Erforschung und Dokumentation des Luftkriegs in der Region. Der Verein arbeitet dabei mit zahlreichen Wissenschaftlern, Denkmalbehörden und Experten sowie dem Volksbund Kriegsgräberfürsorge sehr eng zusammen. Ziel ist die Aufklärung, Dokumentation sowie Darstellung und Vermittlung des Luftkriegs in zwei Weltkriegen. Seither recherchiert der Verein unter anderem für und mit den Außenstellen des Amtes für Bodendenkmalpflege in Rheinland Pfalz und im Rheinland, hier mit den Außenstellen Titz, Overath und schwerpunktmäßig mit Nideggen-Wollersheim in den vorgenannten Bereichen zusammen.

Die Annahme von und Suche nach luftfahrthistorischen Sachüberresten/Relikten, welche zur Klärung von Schicksalen und der Sachgewinnung dienen, ist ein primäres Aufgabengebiet der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein / Mosel e.V.. Ein weiteres Ziel ist es, Artefakte und Hintergründe der Luftkriegsereignisse weiter zu erforschen und vor dem Verfall oder der Zerstörung für kommende Generationen zu bewahren.


Info

Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V.
Frank Güth (1. Vorsitzender)
frank.gueth@luftkriegsgeschichte.org 
www.luftkriegsgeschichte.org