Der lange Weg zur langen Brennweite


Zwar sind die Objektive des Gemünder Kinos Teil der von dort übernommenen Anlage, sie sind aber für den riesigen Saal des Kulturkinos leider unpassend. Würden sie eingesetzt, würde das Filmbild die Leinwand an allen Seiten um einige Meter überschreiben.

Da blieb den Film- & Kinofreunden nichts weiter, als die nötige Berechnung anzustellen. Die Formel zum Auffinden der  Brennweite ist in den kinotechnischen Handbüchern zu finden. Auch Tabellen, die alles leichter machen, stehen dort. Jeder Optiker kann aus der Brennweite die Brechkraft der Linse errechnen. Für die benötigten Objektive kommen da acht oder gar neun Dioptrien heraus - das sind verflixt dicke Brillengläser. „Brillengläser täten hier aber auch nicht den rechten Dienst, wir brauchen mehrlinsige Konstruktionen in einer stabilen Metallfassung von 62,5mm Durchmesser, richtige Kinoobjektive, eben“, so Hans-Lothar Wisskirchen, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Diese seien zurzeit nicht mehr neu zu beschaffen. Geradezu detektivische Leistungen waren daher bei der Suche gefordert und einmal mehr kam dem Verein das seit Jahren gepflegte Netzwerk unter den Cineasten zu Hilfe.

Die in Görlitz gereinigten Objektive sind inzwischen wohlbehalten bei den Film- & Kinofreunden Vogelsang IP e.V. eingetroffen.

„Vom Mitarbeiter eines Ostberliner Kinopalastes erfuhren wir, dass die Optischen Werke Rathenow  für die DDR Filmwirtschaft anfertigte, was uns heute fehlt. Vielleicht gab es dort noch...?“, führt Wißkirchen weiter aus. „Doch heute macht man da nur noch gute Augengläser.“ Einen verwertbaren Tipp bekam der Verein aber doch: In Magdeburg lagerten noch Projektionsobjektive. Ein Berliner Kollege ließ sich nicht lange bitten und vermittelte den Kontakt und tatsächlich landeten bald darauf drei Zeiss- bzw. OWR-Objektive per DHL in Köln. Diese sind mindestens 50 Jahre alt und brauchten dringend eine äussere, aber auch innere Reinigung und Pflege.

Als Kameramann weiß Wißkirchen: von Objektiven lässt man als Laie besser die Finger. Zerlegen ist hier oft gleichbedeutend mit zerstören, wenn man sich nicht sicher ist, bei dem, was man tut. Er weiß aber auch, die Wiege der fotografischen Optik stand in Jena, bei den Zeiss-Werken und in Dresden, bei den KKWD (Kamera und Kinowerke Dresden). Nicht weit entfernt von Dresden liegt die östlichste Stadt der Bundesrepublik: Görlitz.  Genau dort findet sich das nötige Fachwissen bei der Firma FOTOTECHNIK OLBRICH. „Einen Faden spinnen, zwischen Deutschland, ganz im Westen und Deutschland, weiter östlich geht’s nicht“, erwies sich als der richtige Schritt erzählt Wißkirchen weiter. In Görlitz habe man Kenntnisse und Werkzeuge, um uns zu helfen und tat dies in bewährter Manier. Die unverzichtbaren Projektionsobjektive sind nun wieder da und warten auf ihren Einsatz im Kulturkino. Bis dahin hüten die Film- & Kinofreunde sie wie ihre Augäpfel. Schließlich gibt es inzwischen mehr Astronauten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln-Porz als Projektionsobjektive für den 35mm-Cinefilm im Kulturkino Vogelsang mit seinen 55 Metern Saallänge. „Da weiß man, was man (nötig) hat“, so Wißkirchen abschließend.

Infos

Film-& Kinofreunde Vogelsang IP e.V.
Vogelsang IP
53937 Schleiden
info@film-kino-freunde.de
www.film-kino-freunde.de