Insgesamt 15 Jugendliche aus den Klassen 8-12 des Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasiums Schleiden (JSG) unter Leitung von Heike Schumacher und Angelika Schmitz gestalteten auf Einladung der Christlich-jüdischen Gesellschaft Aachen die zentrale Gedenkstunde der Stadt Aachen zur Reichspogromnacht des 9.11.1938.
Dafür hatten sie ein halbes Jahr lang Texte geübt und zusammen mit dem ehemaligen Schüler Christian Baran eine PowerPoint Präsentation erstellt, die dann im Krönungssaal des Aachener Rathauses vorgestellt wurde.
Der Vortrag stand unter der Überschrift: „ ‚Vergeben, aber nicht vergessen, das kann man nicht, auch wenn man 100 Jahre alt würde‘. (Helene Kaufmann, Brasilien 1955) – Erinnerungsarbeit zu ehemaligen jüdischen Schülern des heutigen Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasiums Schleiden“.
Im Anschluss gaben einige der beteiligten Schüler:innen aus der Klasse 10 ihre Eindrücke wieder:
Luisa Kirjan (Klasse 10a) berichtet über die Veranstaltung Folgendes:
„Am 9.11.2025 haben wir bei der Gedenkveranstaltung in Aachen im Krönungssaal eine Präsentation über drei ehemalige jüdische Schüler an unserer Schule gehalten. Die Präsentation zeigte die Familie Kaufmann und deren Auswanderung nach Brasilien oder Ermordung in Auschwitz. Sie dient dazu, nochmal daran zu erinnern, was wirklich mit Juden und Jüdinnen damals passiert ist und wie sie ihr bisheriges Leben wegen der Judengesetze ab 1935 aufgegeben mussten oder sogar ihr Leben verloren.
Für mich persönlich war es das erste Mal, dass ich an so einer Veranstaltung teilgenommen habe. Es war ungewohnt, vor fremden Menschen eine Präsentation über so ein wichtiges Thema zu halten. Trotz Nervosität hat es mir Spaß gemacht. Es ist wichtig, über dieses Thema zu informieren und es ist natürlich wichtig, sich an die Ereignisse damals zu erinnern.“
Lucas Carnielo (Klasse 10b) berichtet über die Situation, in einem solch großen Saal wie dem Aachener Krönungssaal, wo sonst Staatsoberhäupter den Karlspreis erhalten, sprechen zu dürfen:
„Am 9.11. 25 haben wir unsere lang geübte Präsentation gehalten. Zuerst war es sehr ungewohnt, in solch einem großen Saal auf der Bühne zu stehen. Als die ersten Zuhörer kamen, war die Aufregung noch groß. Aber als dann alle da waren, waren die Zuschauer ganz still und haben uns konzentriert zugehört und sich an die schrecklichen Dinge erinnert. Am Ende haben sich viele mit uns unterhalten, es wurde auch viel gelobt und wir haben noch Fragen beantwortet.“
Lea Gunesch (Klasse 10 b) beschreibt ihre Motivation:
„Für mich war es sehr wichtig, an die NS-Zeit zu erinnern und auch an die Opfer des Holocausts. Vor allem finde ich es wichtig zu begreifen, wie nah wir eigentlich am Geschehen sind, denn es sind drei Schüler aus unserer Schule gewesen, die da verfolgt wurden. Als ich vorne auf der Bühne stand und meinen Text gelesen habe, hatte ich wirklich das Gefühl, etwas bei den Menschen zu bewegen“.
Die Schülerinnen und Schüler haben diesen Abend als große Herausforderung, aber auch als Ansporn erlebt, sich in diesem Bereich weiter zu engagieren. Zusammen mit Vogelsang IP gestalten sie weiterhin die Ausstellung #weremembereifel, die ab 29.Januar 2026 als digitale Ausstellung im Raum der Stille im Besucherzentrum in Vogelsang zu sehen sein wird. Ebenso sind sie weiterhin engagiert für die Stolperstein App des WDR tätig, besonders Hlynur Jakob Limbeck, der die Graphic Novel zur Familie Kaufmann erweitert hat.
Der Bericht des WDR über den Abend in Aachen ist in der WDR-Mediathek in der Sendung vom 10.November 25, 19:30 Uhr Lokalzeit Aachen zu sehen.
Text: Heike Schumacher, JSG Schleiden, Fotos: Erik Schumacher



