Einfach mal dazusetzen


Als Elke an diesem Samstagnachmittag das Café Henry betritt, hat sie nicht nur gute Laune, sondern auch selbstgebackene Zimtschnecken dabei. Ein kleiner, herzlicher Einstieg in einen Nachmittag, an dem es vor allem darum geht, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich ein Stück weniger allein zu fühlen.

Denn genau dafür gibt es das Angebot „Gemeinsam – Einsam, zu dem der DRK-Kreisverband Euskirchen jeden dritten Samstag im Monat ins Mehrgenerationenhaus an der Kommerner Straße einlädt. Menschen, die sich einsam fühlen, sollen hier ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und erleben: Der erste Schritt ist schwer, aber er lohnt sich.

An diesem Nachmittag sitzen mehrere Menschen zusammen, trinken Kaffee, reden über den Alltag, über Karneval, alte Kneipen, neue Hobbys und darüber, wie schwer es manchmal geworden ist, Anschluss zu finden. Organisiert wird der Stammtisch von Janine Frackmann vom DRK. Sie erlebt immer wieder, wie wichtig solche offenen Runden sind.

„Mir ist es wichtig, dieses Treffen einmal im Monat durchzuführen, sagt sie. Einsamkeit, so macht sie im Gespräch deutlich, sei längst kein Randthema mehr. „Es muss kein Tabuthema sein, sondern ist einfach auch ein Zeichen unserer Zeit. Wie gegenwärtig dieses Thema ist, zeigt sich an den Menschen, die an diesem Tisch sitzen.

„Viele verstehen das nicht“

Elke zum Beispiel macht auf den ersten Blick gar nicht den Eindruck eines kontaktscheuen Menschen. Sie lacht, erzählt offen und ist sofort mitten im Gespräch. Und doch sagt sie ganz direkt, was viele nur schwer aussprechen können: „Ja, ich bin einsam.“ Sie arbeite viel, habe guten Kontakt zu ihrer Schwester, aber eben nicht vor Ort. Abends sei sie oft allein. „Der erste Schritt hierher war schwer, sagt sie. Trotzdem ist sie gekommen. Einfach so. Weil sie ein anderes Angebot des DRK bereits nutzt und dort von dieser Runde erfahren hat. Da hat sie für sich entschieden: Jetzt gehe ich da hin. Was ihr fehlt, beschreibt sie schlicht: „Einfach mal wieder Menschen kennenlernen, mit denen man auch außerhalb solcher Treffen mal etwas unternehmen kann.

Stefan kennt dieses Gefühl ebenfalls. Er ist 59 Jahre alt und spricht offen darüber, dass Einsamkeit oft von außen gar nicht erkannt wird. „Viele verstehen das auch nicht, sagt er. „Die sagen: Du hast doch Bekannte.“ Aber Bekannte seien nicht automatisch die Menschen, mit denen man sich wirklich verbunden fühle. Oft bleibe es bei Zweckgemeinschaften. Gerade deshalb hofft er, dass noch mehr Menschen auf das Angebot aufmerksam werden.

Darüber würde sich auch Organisatorin Janine Frackmann freuen. Denn die Tür des Café Henry an der Kommerner Straße stehe jedem offen. Jeden dritten Samstag im Monat wird es zu einem Ort, an dem man erst einmal ankommen darf. „Damit wir versuchen, diesen harten ersten Schritt zu vereinfachen, sagt sie. Ideen gibt es viele: vielleicht Spaziergänge, Spielerunden oder andere gemeinsame Aktivitäten. Hauptsache, man kommt überhaupt erst einmal zusammen.

Gegen die Langeweile

Das schätzt auch Rolf an dem DRK-Mehrgenerationenhaus. Er ist 84 Jahre alt, stammt ursprünglich aus den Niederlanden und lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Seine Frau ist gestorben, viele Freunde und Bekannte inzwischen auch. „Dann bleibst du alleine über, sagt er. „Und dann fällt dir irgendwo die Decke auf den Kopf.“ Für ihn ist das DRK-Mehrgenerationenhaus seit Jahren ein Ort, an dem er hinkommt, Menschen trifft, Kaffee trinkt und wenigstens für eine Weile nicht allein zu Hause sitzt. „Das ist Vertreibung der Langeweile, sagt er und meint doch spürbar mehr.

Rolf spricht dabei nicht klagend, sondern mit einer fast trotzig wirkenden Lebensenergie. Wer alt sei, dürfe nicht einfach alles hängen lassen, findet er. „Verdammt noch mal, du musst selber rausgehen, auch wenn du alleine bist.“ Ein kraftvoller Satz, der auch andere dazu animieren kann, sich aufzuraffen. Auch deshalb, weil man merkt, dass dahinter viel Lebenserfahrung steckt.

Genau diese Offenheit ist es, die den Stammtisch besonders macht. Niemand muss hier etwas darstellen. Man darf einfach da sein. Mit seiner Geschichte. Mit seinen Eigenheiten. Mit seinen Wünschen. Es ist eine offene Runde mit ehrlichen Gespräche, mit dem Ziel gemeinsam etwas zu erleben, statt einsam zu sein. Dieses Mal wird der Nachmittag sogar mit den Zimtschnecken von Elke versüßt. Wer zum nächsten Treffen etwas mitbringen möchte, kann das gerne tun. Muss aber nicht. Ein Platz am Tisch ist auch so frei.

Der Stammtisch „Gemeinsam - Einsam“ findet im Café Henry im DRK-Mehrgenerationenhaus, Kommerner Straße 39 in Euskirchen, statt – jeweils jeden dritten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr. Das Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters. Um eine kurze Anmeldung wird gebeten; Ansprechpartnerin ist Janine Frackmann (jfrackmann@drk-eu.de).

pp/Agentur ProfiPress