Am Sonntag, den 4. Oktober, laden das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) und die Nordeifel Tourismus GmbH sowie die beteiligten Kommunen im Kreis Euskirchen zur 19. Archäologietour Nordeifel ein. Von 10 bis 18 Uhr erhalten unsere Gäste an fünf ausgewählten Bodendenkmälern einen Einblick in die Vergangenheit der Nordeifel. An einigen Stationen gibt es ein buntes Kinderprogramm und örtliche Vereine sowie gastronomische Betriebe sorgen zudem für Speisen & Getränke. Der Eintritt ist auch dieses Jahr kostenfrei.
Folgende Stationen erwarten Sie bei der Archäologietour, die Sie gerne alle, aber auch in Auswahl besuchen können:
Eiskaltes im Felsenkeller bei Bad Münstereifel: Eine beeindruckende Station erwartet die Besuchenden mit dem Felsenkeller in Bad Münstereifel. Vor der Erfindung moderner Kühltechnik im 19. Jahrhundert wurde Eis in sogenannten Eiskellern gelagert, um dort Lebensmittel zu kühlen. Die ehemalige Brauerei Hendrichs nutzte dafür am Radberg im Südosten von Bad Münstereifel zunächst einen bereits vorhandenen Stollen, der im 18. Jahrhundert beim erfolglosen Versuch Steinkohle abzubauen entstanden war. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete die Brauerei hier zusätzlich einen weiteren großen Eiskeller zur Bierkühlung. Im Zweiten Weltkrieg diente der Felsenkeller zeitweise als Luftschutzkeller. Danach wurden die Keller für die Champignonzucht und temporär sogar als Autowerkstatt genutzt. Heute stehen beide Keller leer und Fledermäuse nutzen den Stollen zum Überwintern. Bei der Archäologietour gibt es daher zusätzlich auch Infos zum Thema Fledermausschutz.
Uraltes Leben im Steinbruch bei Mechernich-Berg: Auf Millionen Jahre alte Fossilien stoßen alle Interessierten in dem alten Steinbruch bei Berg. Die markanten Höhenzüge am Nordrand der Eifel zwischen Zülpich und Bürvenich bestehen aus Gesteinsschichten des Oberen Muschelkalks der mittleren Triaszeit vor 240 Millionen Jahren. Darin eingeschlossen finden sich unscheinbare Fossilien, aus denen Fachleute Rückschlüsse auf die damalige Umwelt ziehen können. Gleichzeitig lässt sich im Steinbruch beobachten, wie die kahlen Felsflächen verwittern und nach und nach von der Natur bedeckt werden. Vor Ort vermitteln Führungen durch den Steinbruch sowie die Präsentation von Fossilien anschaulich die geologische Geschichte und die Entwicklung dieser besonderen Landschaft.
Wasserleitung auf Reise in Kall: Wer an dem neu gestalteten Platz am Kaller Bahnhof vorbeikommt, kann an einem Teilstück des Römerkanals spannende Erläuterungen rund um die römische Eifelwasserleitung erfahren. Die 95,4 Kilometer lange Leitung versorgte einst die römische Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) über mindestens 190 Jahre täglich mit 20 Millionen Litern besten Trinkwassers aus der Eifel. Der Römerkanal vom Bahnhofsplatz stammt aus dem Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich, wo er 1989 freigelegt und archäologisch untersucht wurde. Anschließend ist der Kanal in Teilen geborgen und in die Mauer am Bahnhofsvorplatz integriert worden. Nach der Neugestaltung soll nun eine Infotafel auf die Bedeutung dieses besonderen Denkmals der antiken Wasserversorgung hinweisen. Außerdem informieren unsere Expert*innen bei der Archäologietour an einem eigens aufgestellten Infostand über das UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes. Familien mit Kindern können hier zudem ein vielfältiges Angebot an römischen Spielen ausprobieren.
Geheimnisvolle Befestigung bei Euskirchen-Flamersheim: Beim Kartenstudium stößt man im Flamersheimer Wald an der Speckelsteiner Allee auf den Eintrag „Alte Burg“ – es handelt sich dabei aber nicht um eine mittelalterliche Burgruine, sondern um einen spätantiken römischen burgus. Dahinter verbirgt sich eine turmartige Kleinbefestigung aus dem 3./4. Jahrhundert n. Chr., die Teil einer römischen Siedlung war. Hier im Wald hat sich die kleine, rechteckige Anlage aus Wall und Graben im Relief deutlich sichtbar erhalten. Sie misst im Innenbereich rund 35 × 45 Meter und wird von einem etwa zehn Meter breiten Graben mit gerundeten Ecken umgeben. Der burgus lag am römischen Straßenabschnitt zwischen Rheinbach und Billig und damit an einem wichtigen Verbindungsweg von Bonn ins Innere Galliens, dem heutigen Frankreich. Besuchende haben die Möglichkeit, an Führungen teilzunehmen und mehr über die Bodendenkmäler im Wald sowie deren Gefährdung zu erfahren.
Unerwartetes unterm Bolzplatz bei Burg Blankenheim: Wo heute die Wiesen an der Burg Blankenheim zum Spielen und Bolzen einladen, verbirgt sich ein Stück barocker Gartenkunst. Moderne Bodenradartechnik des LVR-ABR machte die unterirdisch erhaltenen Strukturen sichtbar: ehemalige Beete, Wege und ein Wasserbecken, das vielleicht sogar eine Fontäne hatte. Auch die Grundmauern der einstigen Orangerie sind noch im Boden erhalten. Der Garten entstand 1727/28 nach Plänen des Gartenbaumeisters Jakob Philippart. Die trapezförmige Anlage erstreckte sich über vier Terrassen und war mit Zier-, Nutz- und Obstgärten gestaltet. Nach dem Wegzug der Grafenfamilie 1794 wurde das Gelände teilweise eingeebnet und die Bauten und Mauerzüge abgetragen. So wie die Terrassierung des Geländes noch immer wahrnehmbar ist, sind auch die steinernen Relikte dieser Gartenanlage verstreut im Gelände erhalten geblieben. Eng verbunden ist die Gartenanlage mit der spätmittelalterlichen „Tiergartentunnel“-Leitung, die den Adelssitz mit Wasser versorgte. Die rund 800 Meter lange Leitung führte von der „Alten Quelle“ durch ein Tal und einen 150 Meter langen Tunnel. Im Rahmen der Archäologietour vermitteln unsere Expert*innen einen Eindruck davon, wie der Barockgarten ursprünglich aussah und welche Methoden sie zur Erforschung eingesetzt haben.
Anreise und weitere Informationen
Neben dem individuellen Besuch der Stationen im Rahmen der Archäologietour – mit dem öffentlichen Nahverkehr, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem PKW – besteht die Möglichkeit, gegen eine Gebühr (Erwachsene 24,50 €, Kinder bis 14 Jahre 14,50 €), an einer begleiteten Busexkursion zu allen fünf Stationen teilzunehmen. Sie wird von Guides begleitet, die während der Fahrt über Wissenswertes zur Region und ihrer Geschichte berichten. Alle Busgäste werden mit Headsets ausgestattet. Gehörlose Menschen sind eingeladen, an der Busexkursion in Begleitung einer Dolmetscherin für deutsche Gebärdensprache teilzunehmen. Startpunkt ist der Bahnhof Mechernich. Anmeldungen zur Busexkursion über die Nordeifel Tourismus GmbH unter Tel. 02441 99457-0 oder online unter www.nordeifeltourismus.de.
Hinweise für die individuelle Anfahrt der Stationen sowie weitere Informationen finden sich im Faltblatt unter www.lvr.de/bodendenkmalpflege und www.nordeifel-tourismus.de. Die Informationen zu den einzelnen Stationen sind nach der Archäologietour auch auf www.kuladig.de abrufbar. Auf dem öffentlichen Online-Portal werden kontinuierlich die erarbeiteten Informationen für alle Archäologietouren nachhaltig zugänglich gemacht.
