Buchvorstellung: "Königssee der Nordeifel - Zur Geschichte der Urfttalsperre"


Titelseite des Buches "Königssee der Nordeifel - Zur Geschichte der Urfttalsperre"
© Bürgerstiftung Schleiden / Kerstin Wielspütz

125 Jahre sind vergangen, seit am 29. Juli 1901 der Grundstein der Urfttalsperre gelegt wurde. Der Planer des Projekts war Prof. Dr. Otto Intze, den man heute vermutlich als ‚Talsperrenpapst‘ beschreiben würde. Er befasste sich ab 1895 im Auftrag der rheinischen Politik mit der Frage einer Flussgebietsregulierung für die Rur und ihre Nebenflüsse. Intze machte Nägel mit Köpfen und schlug den Bau eines Systems mehrerer Talsperren vor. Die Staumauern sollten die regelmäßigen extremen Hochwasser insbesondere an der unteren Rur verhindern und zugleich in den niederschlagsarmen Sommermonaten eine Mindestwasserabgabe an den Unterlauf der Rur für Landwirtschaft und Industrie sicherstellen.

Bei der Fertigstellung 1905 durch die ‚Rurtalsperrengesellschaft‘ war die Urfttalsperre die größte Talsperre Europas. Revolutionär war das ebenfalls von Intze entwickelte Konzept, die Ziele der Flussgebietsregulierung und der Stromerzeugung zu verknüpfen: Die Staumauer sollte den wilden und unberechenbaren Fluss zähmen und zu dosierter Wasserabgabe in den Unterlauf zwingen. Zugleich sollte das Wasser des vergleichsweise hochgelegenen Urftstausees durch einen kurzen Stollen zu einer 120 Meter tiefer im Rurtal neu erbauten ‚Kraftcentrale‘ geleitet werden, um dort acht Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben. Ein neues regionales Stromnetz verteilte die elektrische Energie in der Region.

So sorgte die Urfttalsperre ganz nebenher auch dafür, dass den Eifelern ein Licht aufging und die alten Tranfunzeln aus den Stuben verschwanden. In gewisser Weise war die Urfttalsperre eine ‚eierlegende Wollmilchsau‘, die auch den Einzug der Moderne in die Häuser der Nordeifel und die Stabilisierung der Industrie insbesondere zwischen dem Dürener Land und Jülich enorm beschleunigte: Ein Win-win-Projekt erster Güte und ein Selbstläufer. Die Elektrifizierung der Region verlief so zügig, dass schon bald die regionale Nachfrage nach Strom die Kapazitäten des Kraftwerks Heimbach bei Weitem überstieg.

Das Literaturangebot zur ältesten und schönsten Nordeifeltalsperre ist 125 Jahre nach dem ersten Spatenstich 1901 zur Staumauer erstaunlich dürr. Neben meist sehr alten touristischen Führern aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und einzelnen Kapiteln in Nationalparkführern finden sich nur zwei Veröffentlichungen des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER), die im Wesentlichen die Bau- und Renovierungsgeschichte der Staumauer und des Kraftwerks sowie die Organisationsgeschichte der Betreibergesellschaft schildern. Die Talsperre ist aber auch in die Umgebungsgeschichte eingebettet, und beim Kriegsende 1945 spielte sie sogar weltgeschichtlich eine Rolle. Solche Aspekte wurden bei bisherigen Darstellungen kaum berücksichtigt.

So gab es beispielsweise ein Jahrzehnt, in dem dort der Tourismus in einem Ausmaß blühte, das wir uns heute kaum vorstellen können. Seit etwa 1928 gab es Wassersport auf dem Urftsee, zahlreiche Vereine mit Hunderten Mitgliedern wurden an vielen Stellen des Sees mit Clubhäusern und Bootshäusern sowie Campingplätzen heimisch. An regelmäßigen Faltboot-Wettfahrten nahmen Hunderte Boote teil. Ab 1934 entstand in der direkten Nachbarschaft die nationalsozialistische ‚Ordensburg‘ Vogelsang, die massiv in die Belange der Rurtalsperrengesellschaft eingriff, die die Talsperre erbaut hatte und sie betrieb. So fegte die Kommandantur der NS-Ordensburg Vogelsang mit einem Federstrich die Absicht der Rurtalsperrengesellschaft vom Tisch, in Höhe des Lorbachtals eine Hängebrücke über den See zu spannen: Genau da, wo heute die Victor-Neels-Brücke hängt.

Diese und zahllose weitere bislang kaum bekannte Details zur Geschichte der Urfttalsperre stöberten Franz-Albert Heinen (Schleiden) und Bernd Pütz (Herhahn) unter anderem in dem umfangreichen Archivschatz des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) sowie in weiteren Archiven auf. Daraus entstand als Projekt der Bürgerstiftung Schleiden das Buch ‚125 Jahre ‚Königssee der Nordeifel‘. Urfttalsperre 1901-2026‘, das am 20. November 2026 ab 17 Uhr in der Stadtbibliothek über dem Johannes-Sturmius-Gymnasium präsentiert wird.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Schleiden, Marcel Wolter, wird als Geschäftsführer der Bürgerstiftung die Veranstaltung eröffnen. Die Festansprache und Vorstellung des Buches wird der Vorstand des WVER, Dr.-Ing. Joachim Reichert übernehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Das stark bebilderte Buch mit 368 Seiten im Format 21 X 26,5 cm wird bei der Vorstellung erstmals zum Preis von 19,50 Euro angeboten. 

Auf Wunsch signieren die Autoren die Bücher.

Informationen zur Veranstaltung

Freitag, 20. November 2026, 17:00 Uhr
Stadtbibliothek Schleiden, Blumenthaler Straße 7, 53937 Schleiden


Bürgerstiftung Schleiden · Blankenheimer Straße 2 · 53937 Schleiden · Telefon 02445 89-100
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